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Rennwagen Müllkübel

Seit kurzem gibt es eine ungewöhnliche Sportart in Vorarlberg, speziell im Bregenzerwald: das "Müllkübel-Renna". Schon verbuchen die Rennfahrer internationale Erfolge.

Rennwagen Müllkübel

Kuebel in Action

Sie sind zu hören, lange bevor sie zu sehen sind. Doch das Geklappere und Gekreische kommt rasch näher, und dann biegen sie auch schon um die Kurve: zwei bei sommerlichen Temperaturen mit Motorrad-Kombi und Motorradhelm bis zur Unkenntlichkeit vermummte Gestalten. Sie reiten bizarre Gefährte – tatsächlich: Es sind Mülltonnen.

Patrick Feuerstein und Ivo Berlinger, beide 25 Jahre alt, üben für die Weltmeisterschaft im "Müllkübel-Renna". Diese Funsportart ist so verrückt, wie sie klingt. Feuerstein und Berlinger liegen auf handelsüblichen Mülltonnen. Deren zwei Räder sorgen für Geschwindigkeit, gebremst wird, indem der Fahrer die Tonne nicht länger vorne hochzieht, sondern auf dem Asphalt schleifen lässt. Gelenkt wird mit den Füßen.

Das Vorarlberger Team gibt es seit vergangenem Frühjahr. Es besteht aus rund acht Leuten – immerhin eine Frau ist dabei. Sie haben eine Hausstrecke: das Privatsträßchen unter dem Brüggelekopf-Sessellift in Alberschwende. Dieses führt schön bergab. Und auch die Kurven sind nicht zu verachten.

Diesmal haut es Feuerstein und Berlinger an einer Stelle raus, sie finden sich zwischen Klee und Löwenzahn wieder. "Die fehlende Übung", meinen sie und grinsen. Und heben, so schnell sie können, ihre Tonnen aus dem Gras wieder auf die Fahrbahn. Weiter geht`s. Entscheidend ist, wer als erster unten ankommt.

Ein wenig "Tonnen-Tuning" ist erlaubt, schon allein aus praktischen Gründen: Die Plastikachse, die die beiden Räder verbindet, wird durch eine stabilere Gewindestange ersetzt. Die Scharniere zum Öffnen der Tonne sind durch ein Metallblech geschützt – daher das Kreischen auf dem Asphalt. Und ein großzügiges Stück Schaumstoff schützt den Hüftbereich des Fahrers. Dass es trotz Spitzengeschwindigkeiten von 50 Stundenkilometern und mehr auch bei Stürzen nicht zu ernsthaften Verletzungen kommt, liegt an Motorradhelmen und Protektoren.

Nicht zu verachten ist der Materialverschleiß: Die Tonnen müssen regelmäßig repariert oder ausgetauscht werden, und Berlingers rustikale Schuhe sind so ramponiert, dass sie mit Klebeband gerade noch so zusammenhalten. "Bei dem Rennen vergangene Woche in der Schweiz hatte es 37 Grad, da schmilzt schon mal das Plastik der Tonnen weg", erzählt Walter Berlinger verschmitzt. Der 41-Jährige ist Ivo Berlingers Onkel.

Auf den beiden Müllkübeln von Berlinger und Feuerstein kleben noch die Startnummern von vergangener Woche. Dort hat Ivo Berlinger gewonnen, vor seinem zweitplatzierten Onkel. Beim Rennen starten jeweils zwei Fahrer gleichzeitig, die gegeneinander antreten. Die Schnellsten werden dann nach dem KO-Prinzip im Achtel-, Viertel-, Halbfinale und Finale ermittelt. Was dabei zählt, sind neben Wagemut auch Erfahrung und taktisches Geschick: "Man muss vor den Kurven früh genug bremsen, aber nicht zu stark, um nicht zu langsam zu werden", erklärt Walter Berlinger. Die Weltmeisterschaft heuer im rheinland-pflälzischen Hermeskeil wird schon zum zehnten Mal ausgetragen. Für die Teilnahme nehmen die Vorarlberger 500 Kilometer Weg auf sich. Ein eigenes Turnier haben sie auch schon ausgerichtet: das Rennen Alberschwende im vergangenen Herbst. Rennstrecke war die erwähnte schmale Bergstraße. Und obwohl sie im Vorhinein kaum Werbung gemacht hatten, versammelten sich spontan 500 bis 600 Zuschauer auf den umliegenden Wiesen. "Da waren Leute, die eigentlich wandern wollten und dann den ganzen Nachmittag bei uns geblieben sind", erzählen die Fahrer. Rennsieger war übrigens Ivo Berlinger. Und er will es heuer wieder werden: beim Rennen in Alberschwende im September.

Müllkübelrennen in Alberschwende, Talstation Brüggelekopf, 5. September

Beginn der Rennläufe um 13 Uhr

Veranstalter: Freizeitclub Blue Moon und Motorsportclub Bregenzerwald

 

Text: Mag. Miriam Jaeneke, Redakteurin NEUE Zeitung GmbH